Generalversammlung in Basel: Klimaziele als Chance für den Holzbau
Am 28. August 2026 trafen sich knapp 300 Gäste im Congress Center Basel: zum Impulstag Holz mit der Frage «Klimaziele & Fortschritt – Chancen für den Holzbau?» und zur 118. Generalversammlung von Holzbau Schweiz. Die Geschäfte gingen einstimmig durch, drei verdiente Persönlichkeiten wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Die Sektion Region Basel lud – und die Branche kam. Schon beim Stehlunch im Congress Center Basel prägten Wiedersehen, Handschlag und angeregter Austausch unter Branchenkollegen die Atmosphäre. Am Nachmittag folgte der Impulstag Holz mit pointierten Referaten und einer Podiumsdiskussion, die den Klimazielen auf den Zahn fühlte, im Anschluss die 118. Generalversammlung von Holzbau Schweiz. Der Abend gehörte dem geselligen Teil: Networking-Apéro, Bankett und ein gemütlicher Ausklang in angeregter Runde.
Zwischen Klimapolitik und betrieblicher Realität
Bremsen regulatorische Vorgaben den Wandel im Bauwesen – oder wirken sie als Orientierung und Innovationsmotor? Diese zentrale Frage zog sich durch den Impulstag Holz.
Klimaphysiker Reto Knutti von der ETH Zürich ordnete im Referat «Klimaziele am Wendepunkt: Warum der Bausektor eine Schlüsselrolle einnimmt» die Ausgangslage ein. Der Bausektor sei ein entscheidender Hebel für den Klimaschutz. «Delay is the new denial», hielt Reto Knutti fest. Denn, wer Entscheidungen immer wieder verzögert, verhindert letztlich auch Veränderung – nur ohne es offen auszusprechen. Holz könne einen wichtigen Beitrag leisten – vorausgesetzt, Innovation, Ressourceneffizienz und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen kommen zusammen.
Den Gegenpol setzte Lino Guzzella, Ingenieur und ehemaliger ETH-Präsident, mit seinem Referat «Energieversorgung und Baubranche: Wo Wunsch auf Wirklichkeit trifft». Klimaschutz brauche technische Innovation und wirtschaftliche Vernunft, Regulierung müsse Innovation ermöglichen statt verhindern. Politische Zielsetzungen sollten sich stärker an der technischen Machbarkeit orientieren; das Netto-Null-Ziel bis 2050 sei unter den heutigen Voraussetzungen kaum erreichbar. «Es ist nicht genug, das Richtige zu tun, man muss das Richtige auch möglichst gut und klug tun», forderte Lino Guzzella die Holzbauer auf.
Danach entwickelte sich eine spannungsreiche Debatte: Auf dem Podium diskutierten Nationalrätin Florence Brenzikofer (Grüne), Regierungsrätin Esther Keller (GLP), Zentralpräsident Hansjörg Steiner sowie Mathias Zingg, Leiter Partner und alternative Distributionskanäle bei Helvetia Baloise. Im Zentrum stand die Frage, wie sich regulatorischer Druck in tragfähige Lösungen übersetzen lässt – und wo die Belastungsgrenze der Betriebe liegt. «Die Branche ist bereit, Verantwortung zu übernehmen – braucht dafür aber praktikable und verlässliche Rahmenbedingungen», so Steiner. Einig war sich die Runde darin, dass der Holzbau im wandelnden Marktumfeld gute Karten hat, wenn er seine Stärken konsequent ausspielt.
118. Generalversammlung: Kurs bestätigt, Verdienste gewürdigt
Zentralpräsident Hansjörg Steiner eröffnete die 118. Generalversammlung mit einer Standortbestimmung. In zwanzig Jahren wuchsen Beschäftigte und Arbeitsstätten um rund 35 Prozent. Technologische Entwicklungen wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz oder automatisierte Fertigung verändern die Abläufe von der Planung bis zur Montage. Unter Druck steht dagegen der Rohstoff: Fichte, Tanne und Esche leiden unter dem Klimawandel, und rund 70 Prozent der Halbfabrikate kommen aus dem Ausland. Steiner rief dazu auf, die Wertschöpfungskette zu stärken und mit weniger Material mehr Leistung zu erreichen. Zuversicht gibt ihm der Nachwuchs mit seinem Berufsstolz und Vorwärtsdrang. «Die Entwicklung der Schweizer Holzbaubranche ist beeindruckend. Wir befinden uns im Jahrhundert des Holzbaus – und dieses Jahrhundert gehört denen, die es heute gestalten», sagte er.
Die Zuversicht für die Zukunft brachte auch Direktorin Gabriela Schlumpf in ihrer Berichterstattung zum Ausdruck: «Mit Blick auf das vergangene Verbandsjahr sehe ich vor allem eines: Es war ein Jahr des Wachstums und der Weiterentwicklung – für unseren Werkstoff, die Betriebe und die Berufe. Das Schöne daran ist: Die Grundlage des Erfolgs wächst jeden Tag weiter.» Stellvertretend für die vielfältigen Aktivitäten des Verbandes verdeutlichen aktuelle Kennzahlen die Dynamik: Der Holzanteil bei Tragkonstruktionen stieg auf 19,1 Prozent, bei Mehrfamilienhäusern legte der Marktanteil in zehn Jahren um 75 Prozent zu. Mit 24,7 Wochen Arbeitsvorrat (Q2 2026) bleibt die Auftragslage der Betriebe stabil. Um die Zukunft aktiv mitzugestalten, vertritt Holzbau Schweiz die Brancheninteressen in Bundesbern nebst vielen weiteren Themen schwerpunktmässig in den Bereichen Klimaschutz und Raumplanung. Auch die Bildungsarbeit läuft auf Hochtouren: Im Rahmen der der 5-Jahres-Überprüfung Grundbildung stimmten die Delegiertenversammlung der Teilrevision des Berufs Zimmerin/Zimmermann EFZ zu, während beim Holzbearbeiter/in EBA eine ganzheitliche Betrachtung und Überprüfung gefordert wurde. Zudem gaben die Delegierten grünes Licht für die Entwicklung des neuen Berufsbildes «Holzbau-Zeichnerin/-Zeichner».
Auch die Zentralleitung gab Einblick in ihre Arbeit. Markus Zimmerann informierte aus dem Bereich Technik über die Klimastrategie Netto-Null 2050 und ihre Auswirkungen auf die Branche, Jürg Hugener zeigte für den Bereich Bildung auf, wie das Lebenslange Lernen konkret wird – mit Mini-Lerneinheiten, die im Holzbau-LAB jederzeit abrufbar sind. Die statutarischen Geschäfte gingen zügig über die Bühne: Die Mitglieder genehmigten das Protokoll der 117. Generalversammlung sowie den Jahresbericht 2025/2026 einstimmig, Wahlen oder Rücktritte standen keine an.
Zum Höhepunkt ernannte die Versammlung drei neue Ehrenmitglieder: Stefan Brügger, Urs Derendinger und Bruno Hüppi. Alle drei engagierten sich während vieler Jahre im Auftrag von Holzbau Schweiz in verschiedenen Gremien. Stefan Brügger wirkte in der Zentralleitung von Holzbau Schweiz sowie in der Kommission Betriebswirtschaft. Urs Derendinger prägte die Sektion Solothurn als Präsident und Kassier und setzte sich zudem als QV-Prüfungsexperte sowie als ÜK-Leiter ein. Bruno Hüppi brachte sein Fachwissen in der Kommission Technik und der Kommission Holzbau-Meisterprüfung ein. Der ganze Saal dankte es ihnen mit anhaltendem Applaus.
Netzwerken bis in die Nacht – und ein Morgen auf dem Rhein
Nach dem offiziellen Teil blieb Zeit für das, was eine Generalversammlung ebenso ausmacht: Gespräche. Der Networking-Apéro ging nahtlos ins Bankett über, serviert wurde rosa gebratener Kalbstafelspitz, im Hintergrund spielte Musik. An der Bar ging es beim späten Drink bis in die frühen Morgenstunden weiter – dort, wo die besten Branchengespräche ohnehin stattfinden.
Am Samstag zeigte sich die Rheinstadt vom Wasser aus. Die Schifffahrt führte von der Basler Schifflände nach Birsfelden und anschliessend durch das Stadtgebiet Richtung Dreiländereck/Kembs – vorbei an den bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt und an so mancher verborgenen Besonderheit. Ein entspannter Abschluss mit Weitblick.
Der Dank von Holzbau Schweiz geht an die gastgebende Sektion Region Basel, an das Organisationsteam sowie an alle Verbandspartner, die den Anlass mitgetragen haben.
Die 119. Generalversammlung findet am 27. August 2027 in Mels SG statt. Gastgebende Sektion ist Rheintal-Sarganserland.
Vielen Dank unseren Verbandspartnern