«Mit möglichst wenig Holz viel Haus bauen»

Lukas Schär und Michael Schär führen einen Holzbau- und Innenausbaubetrieb sowie ein Sägewerk im Kanton Luzern. Mit ihrem Unternehmen leben sie die Idee «Haus mit Ursprung», die von ihrem Vater stammt, weiter.

Wie arbeiten das Holzbauunternehmen und das Sägewerk zusammen?
Schon unser Vater hatte sich immer um den Rohstoff gekümmert und selbst Rundholz ­eingekauft. Er entwickelte seinen eigenen Brand «Haus mit Ursprung». Als Holzbauer hatten wir immer eine grosse Identifikation mit dem Rohstoff und dem Wald. Vor sieben Jahren konnten wir das Sägewerk übernehmen, das für uns produziert hatte. Das ist sehr interessant, nicht in erster Linie aus wirtschaftlicher Sicht, aber wir können den Kunden die Geschichte des Holzes erzählen und diese aufzeigen. Die Kundschaft sieht, woher das Produkt kommt, und wir können die Qualität garantieren. Vor zwei Jahren haben wir in eine neue Produktionshalle und Anlagen zur Weiterverarbeitung investiert. Seit der Übernahme konnten wir die Produktionsmenge achtmal vergrössern, heute verarbeiten wir bis zu 9000 Festmeter Rundholz Nadel- und Laubholz.


«Wir können den Kunden die Geschichte des Holzes erzählen und diese aufzeigen»


Was kann das Sägewerk für das Unternehmen liefern?
Wir produzieren Produkte, die wir selbst brauchen. Zum Beispiel Fassadenschalungen und Brettstapeldecken sowie Massivholzböden aus Laubholz. Etwa ein Viertel ist Laubholz. Daraus entstehen auch Klotzbretter für die Schreinerei oder Rohlamellen für einen Stabschichtholzhersteller. Der grösste Teil ist Esche, manchmal ist eine Buche darunter. Die Böden erfordern eine Auswahl der Bäume im Wald, was den Bezug zum Rohstoff wiederum stärkt. Wir sehen es als Aufgabe des Holzbauers, die Ressourcen, die wir haben, zu nutzen und sich Gedanken über die Verwendung zu machen, bevor Abfall entsteht. Das ist unsere Ideologie. Deshalb ist es wichtig, vom ganzen Portfolio, das der Wald bietet, Gebrauch zu machen. Im Kanton Luzern gehört der Wald zum grossen Teil privaten Eigen­tümern, die sich für die Bewirtschaftung regional organisieren und das Holz gebündelt anbieten. Wir haben viele Buchen, die wir für den Bau nutzen könnten, doch die Laubholzverarbeitung ist in der Schweiz rar geworden. Das stellt für die Zukunft eine Herausforderung dar: das Holz zu nutzen, das im Wald steht.


«Die Kundschaft sieht, woher das Produkt kommt, und wir können die Qualität garantieren»


Können Sie sich selbst versorgen?
Unser Sägewerk kann etwa einen Drittel des Holzes, das wir im Unternehmen benötigen, bereitstellen. Wir haben viele Kunden mit eigenem Wald, die ihre Bäume verarbeiten wollen. Ihnen können wir die Produktion eines ganzen Hauses anbieten, inklusive Laubholzböden und Fassaden. Das ist spannend. Bei Dreischichtplatten und OSB-Platten sind wir grösstenteils vom Ausland abhängig, diese sind heute in der Schweiz nicht erhältlich.

Wie viel Schweizer Holz verarbeitet Ihr Unternehmen?
Grob gesagt etwa 80 Prozent. Das hängt sehr von den Projekten ab. Für unseren Betrieb ist es wichtig, dass das Material aus der Nähe stammt, da es just in time verarbeitet wird. Eine solche Lieferkette funktioniert nur mit Schweizer Lieferanten.

Wie lief die Produktion für das Projekt Flurstrasse in Zürich?
Die Fassade und die Unterkonstruktion stammt aus unserer Region. Andere Teile waren bereits ausgeschrieben, zum Beispiel Brettschichtholzdecken. Diese kauft man fertig ein, sie enthalten viel Holz. Das ist eigentlich nicht unsere Philosophie. Wir wollen die Decken selbst herstellen und unsere Wertschöpfung nutzen. Zudem sind wir darauf bedacht, mit möglichst wenig Holz viel Haus zu bauen. Ich finde, wir sollten mit unserer Ressource sparsam umgehen. Mit Holz kann man klug konstruieren. Wir bauen nicht deshalb Häuser, um mit viel Material möglichst viel CO2 zu speichern, sondern wir versuchen, schon vorher möglichst wenig CO2 auszustossen. Das ist nun eine Kehrseite des CO2-Speichereffektes von Holz: Investoren möchten möglichst viel Holz im Gebäude, damit sie viel CO2 kompensieren können.

Ist bei der Produktewahl ein Einfluss möglich?
Wir versuchen es. Bei Projekten, die schon fertig entwickelt und dimensioniert sind, ist es nicht sinnvoll, alles wieder neu aufzurollen. Dort können wir auf die Anschlusslösungen, bei Bauteilen oder Details Einfluss nehmen, die keine statische Funktion haben. Beim Wohnhaus Flurstrasse hätten wir nicht die Zeit und die Kapazität gehabt, die Decken zu produzieren.

Was sagen Sie zur Zertifizierung Schweizer Holz?
Wir zertifizieren, wenn dies gewünscht oder ausgeschrieben ist. Viele unserer Häuser sind mit Schweizer Holz gebaut und wir könnten sie zertifizieren. Die Dienstleistung von Schweizer Holz ist sehr gut. Vorerst erzählen wir die Geschichte des Rohstoffs, gehen mit den Kunden in den Wald und zeigen, wie die Verarbeitung funktioniert. Für uns ist diese Art von Marketing wertvoll.

Welche unternehmerischen Visionen haben Sie?
Wir spielen mit dem Gedanken, im Sägewerk die Produktionstiefe zu vergrössern. Heute müssen wir verleimtes Konstruktionsholz noch einkaufen. Dieses selbst herzustellen, wäre eine Chance, das Werk mehr auszulasten und zugleich dem Holzbauunternehmen mehr zukommen zu lassen. Dann könnten wir noch mehr die Geschichte «Haus mit Ursprung» leben.


«Wir sehen es als Aufgabe des Holzbauers, die Ressourcen, die wir haben, zu nutzen»


 

 

Zur Person
Lukas Schär (35) ist gelernter Zimmermann. Nach der Ausbildung hat er Kunst an der Hochschule Luzern studiert, doch für ihn war klar, dass er in den elterlichen Betrieb einsteigen wollte. Seit 2019 führen die Brüder Lukas Schär und Michael Schär den Familienbetrieb in fünfter Generation. Bei Schaerholzbau sind an den drei Standorten Altbüron, Grossdietwil und Malters (LU) insgesamt 135 Mitarbeitende beschäftigt. schaerholzbau.ch