«Das Geniale ist: Holz wächst nach»

Heinz Beer ist Geschäftsführer der Beer Holzbau AG in Ostermundigen. Mit seinem Unternehmen verkörpert er eine nachhaltige und innovative Denk- und Handelsweise. Er ist in der Zentralleitung von Holzbau Schweiz für das Thema Schweizer Holz zuständig.

Was bedeutet Ihnen ein Label?
Ein Label soll Garantie für Qualität sein. Es soll aber auch eine gute Idee stützen. Ein Label bietet die Möglichkeit, auf ein Thema aufmerksam zu machen. Gerade das Label Schweizer Holz hat eine Kommunikation angestossen, die die Thematik ganzheitlich umfasst und zeigt, was alles dahintersteckt.

Sie sind Unternehmer und Waldbesitzer. Sie bauen Häuser und haben den Rohstoff. Es ist naheliegend, Holz aus unseren Wäldern zu nutzen. Welche Argumente braucht es noch?
Wenn wir Schweizer Holz verarbeiten, stärken wir die ganze Wertschöpfungskette, das ist ein volkswirtschaftlicher Gedanke. Die Schweiz ist mir wichtig, mir ist wichtig, dass wir hier produzieren. Aussagen, die Produktion in der Schweiz sei nicht möglich oder zu teuer, sind oft nicht objektiv. Es gibt mir zu denken, wenn wir zu stark vom Ausland abhängig sind, so dass sich zum Beispiel ein blockierter Suez­kanal auf unsere Arbeit auswirkt. Wir haben kein Öl, keine Kohle, kein Eisen, aber wir haben Holz. Holz können wir ernten und das Geniale ist: Es wächst nach. Wenn wir es besser nutzen würden, könnten wir mehr herausholen. Die Skandinavier machen uns vor, wie man den Wald zu einem wertvollen Gut umnutzen kann, denn wo geerntet wird, wächst mehr nach.


«Mir ist wichtig, dass wir in der Schweiz produzieren»


Warum ist Schweizer Holz teurer?
Es ist nicht das Holz, es ist die Verarbeitung, die hierzulande noch wenig industriell betrieben wird. Das ist ein Unterschied zu unseren Nachbarländern und Skandi­navien. Wir sollten den Wald als Industriezweig sehen. Inzwischen sind wir auf ­einem guten Weg, es wird bereits an ein einigen Orten investiert. Doch wir müssen auch realistisch bleiben: Wir werden unseren gesamten Bedarf nie abdecken können. Aber 40 bis 45 Prozent könnten wir erreichen. Im Moment stammen rund 30 Prozent des Holzverbrauchs aus eigenen Ressourcen. Das Ziel wäre, die Verarbeitung, die Arbeitsplätze und das Geld in der Schweiz zu behalten. Im Moment entstehen noch Mehrkosten, wenn ein Massenprodukt wie eine Dreischichtplatte aus Schweizer Holz hergestellt werden soll.


«Das neue Label soll die Unternehmer ermutigen, möglichst viel Schweizer Holz einzusetzen und zwar dort, wo es sinnvoll ist»


Würde der Preis bei mehr Förderung sinken?
Schlussendlich steuert der Markt den Preis. Unsere Topografie macht die Ernte aufwendig, wir können nicht einfach mit grossen Maschinen durch die Berge fahren und unsere Löhne sind etwas höher. Wenn Fördergelder in Produktionsanlagen der ersten Arbeitsstufe fliessen würden, damit diese industrieller arbeiten könnten, würde der Preis sinken, denn in der Weiterverarbeitung sind wir mit dem Ausland konkurrenzfähig.

Die Kundschaft braucht demnach diese Informationen, um sich für Schweizer Holz zu entscheiden?
Mehr noch: Auch die Waldpolitik hat einen wichtigen Stellenwert. Die Schweizer Wälder sind überaltert. Dass auch eine Pflanze ein Lebensende hat, ist vielen nicht bewusst. Wir können unsere Wälder als Holzvorrat und Naturpark betrachten und hoffen, dass die Bäume nicht absterben oder von Schädlingen befallen werden. Oder wir können den Wald nutzen und ihn dadurch verjüngen. Was wir heute pflanzen, passt sich dem wärmeren Klima an und kann in 80 bis 100 Jahren genutzt werden. Das ist eine grosse Chance. Wir bieten dem Wald Gelegenheit, sich den klimatischen Bedingungen anzupassen.


«Wir bieten dem Wald Gelegenheit, sich den klimatischen Bedingungen anzupassen»


Die Holzernte ermöglicht also das Nachwachsen von jungen starken Bäumen, die dem wärmeren Klima gewachsen sind?
Ja genau, darum finde ich auch gewisse Senkenprojekte einen falschen Ansatz. Es sollte nicht sein, dass dem Waldbesitzer ungenutzte Waldparzellen als CO2-Speicher mehr Geld einbringen, als wenn das Holz genutzt und der Wald bewirtschaftet wird.

Wer müsste was ändern?
In der CO2-Gesetzgebung müssten ein paar Schrauben gestellt werden. Wenn der Endkunde mehr Schweizer Holz wünscht, sollte die ganze Branche kostendeckend arbeiten können. Die Waldbesitzer sollten Anreize erhalten, ihre Wälder zu nutzen, und diese sollten höher sein, als wenn sie nichts unternehmen. Zum Beispiel könnten in den Berggebieten die Mehrkosten eines Seilbahnschlags mit Bundesgeldern bezahlt werden.

Die Beer Holzbau ist Mitglied von Schweizer Holz. Warum?
Selbstverständlich. Unser Betrieb ist zertifiziert. Wir tragen die Grundidee des einheimischen Produktes mit. Wir wollen glaubwürdig sein und die Haltung vorleben. Wir wollen, dass darüber gesprochen wird. Unsere Firma zertifiziert viele Gebäude, auch wenn dies gar nicht verlangt wird.

Was bewirkt eine Zertifizierung? Ihr Betrieb hat auch viel Erfahrung mit Minergie.
Ein Label bietet Grundlagen und dies führt zur gezielteren Umsetzung eines gewollten Standards. Es steht für eine Qualitätsgarantie und ist ein Mehrwert. Das neue Label Schweizer Holz ist ein Quantensprung. Es soll die Unternehmer ermutigen, möglichst viel Schweizer Holz einzusetzen und zwar dort, wo es sinnvoll ist. Neu können nur die Fassade oder Aussenwände, eine Geschoss­decke oder das ganze Gebäude zertifiziert werden, denn schlussendlich geht es auch um Wirtschaftlichkeit.


«Wir sollten den Wald als Indus­triezweig sehen»


Zur Person
Heinz Beer (59) engagiert sich seit 17 Jahren in der Zentralleitung von Holzbau Schweiz und ist für das Thema Schweizer Holz und den Aktionsplan Holz zuständig. Noch länger hat er Einsitz im Vorstand der Sektion Bern, ebenso ist er im Vorstand des Schweizerischen Verbands für geprüfte Qualitätshäuser VGQ. Der Zimmermeister ergriff 1999 die Chance und kaufte die Konkursmasse der Holzforum AG in Ostermundigen, wo er die Beer Holzbau gründete. Nachhaltigkeit war Beer immer ein Anliegen und als Waldbesitzer setzt er sich für eine durchgängige regionale Wertschöpfungskette ein. Der Neubau des Büro- und Werkstattgebäudes «Fachwerk» verlieh dem Unternehmen noch mehr Schwung und verkörpert die nachhaltige und innovative Denk- und Handelsweise von Heinz Beer. Beer Holzbau ist zu hundert Prozent in Familienbesitz und beschäftigt 85 Mitarbeitende. beer-holzbau.ch